
Impfungen
Warum sie immer noch wichtig sind
Erst im Jahr 2006 wurde Duisburg von einer Masernepidemie heimgesucht, bei der sogar zwei Kinder starben. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) kam im Nachhinein zu der Erkenntnis, dass 80 % der Erkrankten nicht geimpft waren. Diese Impfmüdigkeit ist gefährlich, daher müsse viel mehr Aufklärungsarbeit geleistet werden.
Filius im Interview mit Dr. med. C. Moreau, Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin zum Thema Impfungen:
- Was passiert bei einer Impfung im Körper?
Im Impfstoff befinden sich abgeschwächte oder abgetötete Teile des ursprünglichen Krankheitserregers. Unser Körper erkennt diese als gefährlich und bildet dagegen Antikörper und Gedächtniszellen. Sollten wir irgendwann mit dem „echten“ Erreger konfrontiert sein, erinnern sich die Gedächtniszellen und bilden Antikörper, welche den Keim wie Soldaten bekämpfen. - Welche unerwünschten Nebenwirkungen können auftreten?
Die häufigsten Nebenwirkungen sind eine Rötung und Schwellung der Einstichstelle, leichte Abgeschlagenheit des Kindes und Fieber. Letzteres kann bei der Mumps-Masern-Röteln-Impfung auch erst 1 – 2 Wochen nach der Impfung auftreten. Gegen das Fieber können die Eltern z.B. fiebersenkende Paracetamol-Zäpfchen geben. - Sind Impfungen heutzutage noch notwendig?
Ja. Die Krankheiten existieren immer noch, wie man z.B. an den jüngsten Masern-Ausbrüchen in Deutschland sehen konnte. Andere Erreger können gar nicht vollständig eliminiert werden: So sitzen beispielsweise die Tetanus-Bakterien im Boden. Bei jeder Wunde, die sich ein ungeimpftes Kind zufügt, könnte es zum Wundstarrkrampf kommen. - Käme der Körper nicht auch selber mit den Krankheiten zurecht?
Impfungen wurden insbesondere gegen gefährlich verlaufende Krankheiten entwickelt, bei denen der Körper gar nicht so schnell seine Abwehrkräfte mobilisieren könnte oder das Risiko von schweren Folgeerkrankungen besteht.
Mit den Gedächtniszellen ist es wie im wahren Leben: Situationen, die wir im Voraus trainiert haben, werden wir besser und schneller bestehen, als wenn wir dem Problem zum ersten Mal gegenüber stehen. Die Gedächtniszellen wissen, welche Gegenwehr effektiv ist. Ein ungeimpfter Körper kann sich nicht so schnell wehren, wie es nötig wäre, um Komplikationen zu vermeiden. Einige Impfungen beugen beispielsweise Hirnhautentzündungen vor: Wenn das Kind diese schwere Erkrankungen überhaupt überlebt, können lebenslange Beeinträchtigungen zurückbleiben. - Gibt es Kinder, bei denen Impfungen besonders wichtig sind?
Bei Kindern mit chronischen Krankheiten (wie Herzfehler, Nierenerkrankungen, …) sind einige Impfungen besonders wichtig. Auch für Auslandsaufenthalte gelten andere Impfempfehlungen. Diesbezüglich sollte man sich vom behandelnden Arzt beraten lassen. - Was ist eine Grundimmunisierung?
Bei einigen Impfstoffen wird ein sicherer und langanhaltender Schutz vor den Krankheiten erst nach einer bestimmten Anzahl von Impfungen erreicht. Die 6-fach-Impfung muss z.B. 3-4 Mal verabreicht werden, bevor eine sichere Immunität aufgebaut wird. Nach der Grundimmunisierung sind bei einigen Impfungen nur noch einzelne Auffrischimpfungen erforderlich, sozusagen als Auffrischkurs für die Gedächtniszellen. - Was passiert, wenn Impftermine versäumt wurden?
An sich wäre es sinnvoll, die Impfungen im empfohlenen Zeitraum durchführen zu lassen, damit das Kind rechtzeitig geschützt ist. Aber die Impfungen können auch jederzeit nachgeholt werden. - Sollte man Kinder auch saisonal impfen, z.B. wegen der Schweinegrippe?
Saisonale Impfungen sollte man besonders bei chronisch kranken Kindern in Betracht ziehen. Bezüglich der Notwendigkeit der Schweinegrippe-Impfung war selbst die Ärzteschaft gespalten, so dass wir bei den Grippewellen der Zukunft genau abwägen müssen, welche Maßnahmen sinnvoll sind.
Das Interview führte Ariela Cataloluk.

