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Einführung der Beikost

Von fest zu flüssig

Irgendwann ist es so weit: Aus dem Säugling wird ein Baby, das mit Milch alleine nicht mehr auskommt. Ein Meilenstein in seiner Entwicklung - und häufig Fragen über Fragen für die Eltern. Einige davon beantwortet die Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin Dr. med. C. Moreau im Filius-Interview:

1. Ab wann startet man mit Beikost?
Mit ca. 4 – 6 Monaten geht’s los. Insbesondere, wenn das Baby großes Interesse am Essen der Großen zeigt oder scheinbar nicht mehr richtig satt wird, ist ein guter Zeitpunkt, Brei anzubieten. Am Anfang wird es vermutlich nur ein oder wenige Löffelchen essen, denn die Mundmotorik muss erstmal trainiert werden.

2. Womit beginne ich?
Hierzulande wird als erstes ein Gemüsebrei empfohlen (z.B. Möhre, Kürbis oder Pastinake). Mit sechs Monaten sollte 3-4x/Woche Fleisch hinzugefügt werden, weil es das für die Blutbildung wichtige Eisen enthält. Das Grundrezept für einen Gemüse-Fleisch-Brei lautet: 50 g Kartoffeln, 100 g Gemüse und 20 g Fleisch (3-4x/Woche) kleinschneiden und ca. 15 min. kochen, anschließend mit 2-3 EL Obstsaft und 1 TL Butter oder Keimöl (Sonnenblumenkern-, Raps-, Maisöl) mischen und pürieren.

3. Muss ich zum Essen etwas zu Trinken anbieten, wenn ja, was?
Die Milchmahlzeiten werden nach und nach durch Breie ersetzt, d.h. ungefähr ab dem 6. Monat Gemüse-Fleisch-Brei, ab dem 7. Monat Milch-Getreide-Brei und ab dem 8. Monat Obst-Getreide-Brei.
Je mehr Brei das Baby isst, desto weniger Milch wird es trinken. Daher sollte man zu den Mahlzeiten etwas abgekochtes Wasser (wenn die Wasserleitungen in Ordnung sind), gekauftes Wasser (mit dem Aufdruck „für die Säuglingsernährung geeignet“) oder ungesüßten Kräutertee anbieten.
Im zweiten Lebenshalbjahr braucht das Baby ungefähr 400 ml Flüssigkeit zusätzlich zu den Breien und mindestens einer Milchflasche. Im zweiten Lebensjahr benötigt es circa 800 – 1000 ml Flüssigkeit.

4. Mein Baby bekommt Verdauungsprobleme von der Beikost, was kann ich tun?
Wie das Gehirn durchläuft auch der Darm im ersten Lebensjahr große Entwicklungsschritte. Der Darm wird sich also im Laufe der Zeit an das neue Essen gewöhnen. Bei Verstopfung kann man versuchen, mehr Flüssigkeit anzubieten (Achtung: Pfefferminztee stopft zusätzlich!) und stopfende Speisen wie Möhren, Reis, Kartoffeln durch verdauungsfördernde Lebensmittel zu ersetzen.
Bei Blähungen helfen der gute alte Fencheltee, Bäuchleinmassage, Förderung des Stuhlgangs und Meidung blähender Speisen (Hülsenfrüchte, Zwiebel, Kohl). Nach einigen Wochen können die weggelassenen Lebensmittel wieder ausprobiert werden.
Bei ernsthaften Verdauungsproblemen (Erbrechen, anhaltende Durchfälle) oder mangelnder Gewichtszunahme sollte ein Kinderarzt/ eine Kinderärztin konsultiert werden.

5. Soll ich weiterstillen oder ist jetzt die Zeit für Kuhmilch gekommen?
Im ersten Lebensjahr bietet es sich an weiter zu stillen, da ansonsten Säuglingsmilch gekauft werden muss. Mit Kuhmilch sollte man bis zum 1. Geburtstag warten.

6. Ich bin gegen manche Lebensmittel allergisch, wird es mein Kind auch sein?
Möglicherweise wird das Baby auch Allergien entwickeln. Vorbeugend hilft ausschließliches Stillen im 1. Lebenshalbjahr oder die Fütterung von hypoallergener Säuglingsmilch (HA-Milch). Die Fütterung von HA-Milch ist aber nur vorbeugend, wenn das Kind zuvor nie andere künstliche Säuglingsmilch erhalten hat. Diese Überlegungen müssen also bereits vor der Geburt oder spätestens bei Beginn der Milchzufütterung stattfinden.
Ab Beginn der Beikost sollte jede Woche nur ein neues Lebensmittel eingeführt werden, damit man eventuelle allergische Reaktionen besser zuordnen kann. Es ist aber nicht notwendig, prophylaktisch bestimmte Speisen erst besonders spät in den Speiseplan einzuführen. In neuesten Untersuchungen hat sich gezeigt, dass die zeitige Einführung von z.B. Fisch, Ei, Weizen eher zu einer besseren Verträglichkeit führt, als das langfristige Vorenthalten dieser Speisen.

7. Gibt es generell gefährliche Lebensmittel?
Nüsse sind insofern gefährlich, dass sich das Kind daran ernsthaft verschlucken kann.  Deshalb sind sie nicht vor dem Alter von drei Jahren empfohlen. Allgemein sollte man bei den Lebensmitteln darauf achten, dass möglichst keine Zusatzstoffe (Konservierungsstoffe, E-Nummern, Farbstoffe, …) enthalten sind. Für einige Farbstoffe wurde nachgewiesen, dass sie die Unruhe bei Kindern fördern können.

8. Mein Baby verschluckt sich ganz oft und hustet schlimm beim Essen, was tun?
Am Anfang ist das ganz natürlich, da sich die Mundwerkzeuge erst an die neue Aufgabe des Essens gewöhnen müssen. Aber Babys sind ja kleine Lernwunder. Selbst wenn sie täglich nur 1 – 3 Löffelchen angeboten bekommen, werden sie nach wenigen Tagen bis Wochen „fit“ sein, Brei ohne Husten herunterzuschlucken.
Nach und nach können kleine Stückchen im Brei belassen werden, damit das Kind sich auch an festere Kost gewöhnt. Wie bei allen Entwicklungsaufgaben stellen sich manche Kinder geschickter beim Schlucken lernen an als andere. Sollte der Erfolg ungewöhnlich lange auf sich warten lassen, sollte der Kinderarzt nachsehen, ob alles in Ordnung ist.

9. Was ist besser, selber kochen oder Babygläschen?
Beides ist gut, wenn man auf bestimmte Dinge achtet. Gekaufte Breie sind praktisch, sauber und unterliegen strengen Qualitätskontrollen, so dass sie sicher schadstoffarm sind. Sie dürfen aber nur einmal erwärmt werden und man muss bei der Zutatenliste aufpassen, dass kein Zucker (Dextrose) enthalten ist. Bei vielen Gemüse-Fleisch-Breien ist das Hinzufügen von 1 TL Butter oder Öl erforderlich.
Selbstkochen hat den Vorteil, dass man wirklich nur die Lebensmittel im Brei hat, die man zu dem Zeitpunkt anbieten möchte. Allerdings muss man auf Hygiene und die richtige Zusammensetzung achten (siehe Rezept unter Frage 2). Zu bevorzugen sind schadstoffarme Lebensmittel. Man kann einmal eine größere Menge kochen und portionsweise einfrieren und vor dem Essen erwärmen.

10. Wann kann mein Kind vom Familienessen mitessen?
Je nach den Fähigkeiten des Kindes und den Essgewohnheiten der Familie kann der Säugling ab einem Alter von 8 – 12 Monaten am Familienessen teilnehmen. Optimalerweise ist das Essen der Familie nicht zu salzig oder zu stark gewürzt. Anfangs kann man das Essen auch pürieren oder quetschen, so dass das Baby schon mal an den Geschmack der Familie gewöhnt wird.

Das Interview führte Ariela Cataloluk.

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